MuKEn und GEAK - frühzeitige Sanierung könnte sich lohnen

Im Frühjahr 2015 wurden die neuen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (kurz MuKEn 2014) finalisiert. Die Mustervorschriften widerspiegeln den kleinsten gemeinsamen Nenner der Konferenz der Kantonalen Energiedirektoren (EnDK). Ziel ist es, gesamtschweizerisch mit einheitlichen Massnahmen den Anforderungen der Energiestrategie des Bundes gerecht zu werden. Einen wesentlichen Teil betrifft dabei die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich. Die EnDK empfiehlt den Kantonen bis 2020, die MuKEN möglichst unverändert und vollständig im eigenen Kanton umzusetzen.

Neue Anforderungen für den Heizungsersatz

Gerade für Immobilienverwalter und Bauherren haben diese Vorschriften einen bedeutenden direkten Einfluss, da hier festgelegt wird, welche Auflagen beim Neubau, aber auch bei Sanierungsprojekten künftig zu erfüllen sind. Darunter fallen ganz besonders auch Auflagen zum Heizungsersatz. So kann der Wärmeerzeuger nur noch frei gewählt werden, wenn das Gebäude Minergie-zertifiziert ist oder mittels eines sogenannten Gebäudeausweises der Kantone (GEAK) eine Gesamteffizienz der Klasse D oder höher nachgewiesen werden kann. In allen anderen Fällen ist als Minimalanforderung für den Ersatz einer Gas- oder Öl-Heizung eine der 11 definierten Standardlösungen zu wählen:

  • Standardlösung 1: 1-zu-1-Ersatz + thermische Solaranlage
  • Standardlösung 2: Holzfeuerung
  • Standardlösung 3: Wärmepumpe
  • Standardlösung 4: Gas-Wärmepumpe
  • Standardlösung 5: Fernwärmeanschluss
  • Standardlösung 6: Wärme-Kraft-Kopplung (Blockheizkraftwerk oder Brennstoffzelle)
  • Standardlösung 7: 1-zu-1-Ersatz + Warmwasserwärmepumpe, inkl. Photovoltaik
  • Standardlösung 8: 1-zu-1-Ersatz + Ersatz der Fenster
  • Standardlösung 9: 1-zu-1-Ersatz + Wärmedämmung
  • Standardlösung 10: Hybridsystem (z. B. 1-zu-1-Ersatz für Spitzenlast + Wärmepumpe für Grundlast)
  • Standardlösung 11: 1-zu-1-Ersatz + kontrollierte Wohnraumlüftung

Zusätzlich wird in den ersten Kantonen darüber diskutiert, in wie weit auch ein höherer Anteil Biogas angerechnet werden soll.

Strengere Auflagen für den Neubau

Noch strenger sind die Auflagen im Neubau. Hier muss künftig ein Energiebedarf von 35 kWh/m² eingehalten werden. Dieser Wert liegt leicht tiefer als der klassische Minergie-Standard von 38 kWh/m².

Was ist der GEAK?

Der Gebäudeausweises der Kantone (GEAK) ist ein Bewertungs- und Beratungsinstrument für Gebäude und ist schweizweit anerkannt. Der GEAK darf nur von zertifizierten GEAK-Experten ausgestellt werden und zeigt wie energieeffizient die Gebäudehülle ist und wieviel Energie ein Gebäude bei einer Standardnutzung benötigt. Bei dieser objektiven Beurteilung gibt es verschiedene Klassen von A (sehr energieeffizient) bis zu G (wenig energieeffizient).

Der GEAK ist grundsätzlich freiwillig aber gewisse Kantone schreiben ihn beim Heizungsersatz als obligatorisch vor, vorallem auch im Hinblick auf den Erhalt von Fördergeldern oder vergünstigten Hypotheken. Am besten informieren Sie sich hierzu bei den Energiefachstellen der jeweiligen Kantone.

Mehr Informationen zur Berechnungsmethodik oder zu den verschiedenen GEAK-Klassen finden Sie auf der Homepage des Vereins GEAK. Auf dieser Seite finden Sie auch eine Expertenliste, falls Sie einen GEAK-Experten in Ihrer Nähe suchen.

Frühzeitige Sanierung könnte sich lohnen

In jedem Fall ist es empfehlenswert, bei einer Heizungsanlage, die in den nächsten Jahren ersetzt werden muss, eine frühzeitige Sanierung zu prüfen. Gerade bei Gebäuden die schlechter als die Effizienzklasse D sind kann sich ein vorzeitiger Heizungsersatz lohnen. Die Klasse D entspricht unsanierten Bauten ab ca. 1995 resp. einem Heizölverbrauch von ca. 10 Liter pro Quadratmeter beheizter Fläche (Quelle: hev-schweiz.ch). So profitieren Sie unter Umständen davon, dass die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen noch eine kostengünstige Sanierung erlauben.

Gerne beraten wir Sie im Hinblick auf die an Ihrem Wohnort aktuellen und künftigen Richtlinien und erstellen Ihnen gegebenenfalls eine passende Offerte. Bitte melden Sie sich dazu ganz einfach über unser Kontaktformular.

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Stand der kantonalen Umsetzung

Die einzelnen Kantone sind unterschiedlich weit in der Umsetzung der MuKEn 14 in die kantonale Energiegesetzgebung.

Wann und in welchem Umfang die MuKEn 2014 umgesetzt werden, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Mit Stand Februar 2019 haben erst die beiden Basel sowie die Kantone Waadt, Obwalden und Luzern die MuKEn 2014 umgesetzt. Die meisten der übrigen Kantone befinden sich vor oder in der parlamentarischen Beratung zur Einführung der entsprechenden Gesetzesänderungen.

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